(Aufsuchende) Familientherapie ist eine Hilfemaßnahme für Familien, die bereits über einen längeren Zeitraum (oft auch über Generationen) in dysfunktionalen Systemen leben. Anlass hierzu können psychische Erkrankungen sein, die das Zusammenleben erheblich belasten, aber auch aktuelle Lebenskrisen wie Trennung und Tod, Arbeitslosigkeit etc.. Die Familientherapeuten erarbeiten mit allen anwesenden Familienmitgliedern Lösungen zur emotionalen und sozialen Stabilisierung.

Beispiel 1:

Familie A. ist schockiert als feststeht, dass das einzige Kind für einige Wochen in eine Fachklinik der Kinder- und Jugendpsychiatrie gehen soll. Sowohl die depressive Mutter als auch der Vater stürzen in eine schwere Krise. Mithilfe der Familientherapie werden innerfamiliäre Dynamiken verstanden und die Rückkehr des Kindes vorbereitet. Nach 1,5 Jahren Familientherapie entwickelt sich das Zusammenleben so positiv, dass alle Familienmitglieder den Umgang mit der psychischen Erkrankung erlernt haben und neue Kommunikationsformen miteinander entwickeln konnten.

 

Beispiel 2:

Der jugendliche Sohn verweigert den Schulbesuch. Die alleinerziehende Mutter muss sich um das Baby kümmern. In der Familientherapie werden veränderte Rollen besprochen, Wünsche nach Nähe und Zuwendung geäußert und Themen wie Verantwortung gemeinsam diskutiert. Das Benennen von Enttäuschungen und Erwartungen ermöglicht eine neue Form der Kommunikation.