Begleiteter Umgang

 Zielgruppe::

1. Kinder mit getrennt lebenden Eltern

2. Kinder psychisch erkrankter Eltern

Die Zeit nach einer Trennung/Scheidung ist bei vielen Familien geprägt von  Unsicherheit, Krisen und Konflikten. Oft werden die Konflikte zwischen den Eltern nach der Trennung/Scheidung weitergeführt. Dazu kommt die Unsicherheit, das Leben in seiner neuen Form bewältigen zu können. Die emotionale Belastung dieser Zeit ist meist bestimmt von Enttäuschung, Wut, Trauer und existenziellen Ängsten. Sie hindert viele Eltern daran, gemeinsam den zukünftigen Kontakt und Umgang des Kindes mit dem nicht mehr in der Familie lebenden Elternteil oder mit den anderen für seine Entwicklung wichtigen Bezugspersonen zu erlauben, bzw. zu planen. Es passiert häufig, dass der Umgang ausgesetzt wird bzw. gar nicht mehr zustande kommt.

Der Begleitete Umgang ist ein Angebot, um in derartigen Fällen dem Bedürfnis des Kindes nach Kontakt mit dem abwesenden Elternteil bzw. mit anderen für ihn wichtigen Bezugspersonen gerecht zu werden und das Kind und die Eltern bei der Kontaktaufnahme und –pflege zu unterstützen.

 

2. Kinder psychisch kranker Eltern

Psychisch kranke Menschen und ihre Kinder haben besondere Probleme zu bewältigen. Der erkranke Elternteil ist in der Regel sehr mit seinen eigenen Problemen befasst, so dass die Verantwortung für ein Kind, dessen Versorgung und liebevolle Zuneigung extrem hohe Anforderungen an ihn darstellen. Die besonderen Belastungen, denen das Kind meist in der Familie ausgesetzt ist, werden oftmals sowohl von der Familie als auch von der Umwelt ignoriert, bzw. tabuisiert. Kinder psychisch erkrankter Eltern haben z. T. emotional stark belastende Erfahrungen hinter sich. Häufig bricht nicht „nur“ die Familie auseinander. Die Kinder und ggf. auch der gesunde Elternteil sind durch die oft sehr dramatischen krankheitsbedingten Erlebnisse traumatisiert und bedürfen besonderer Unterstützung.Begleiteter Umgang kann hier eine Chance sein, mit dem Kind über diese Belastungen ins Gespräch zu kommen und dem Kind so die Möglichkeit zu geben, das Erlebte zu enttabuisieren.Im Zusammenleben mir dem erkrankten Elternteil haben die  Kinder miterlebt, wie dieser sich z. B. immer mehr zurückzieht, kein Interesse an der Umwelt, vielleicht auch nicht mehr an den eigenen Kindern zeigt oder mit völlig unpassenden Gefühlsäußerungen reagiert. Die Familie isoliert sich zunehmend, Außenkontakte werden gemieden. Das Kind, das noch zu Hause lebt, wird ein Teil dieser isolierten Welt. Diese Kinder, die dann den begleiteten Umgang mit dem erkrankten Elternteil wahrnehmen, sind meist schon länger mit deren krankhaften Verhaltensweisen vertraut. Sie bringen somit Erfahrungen mit in den begleiteten Umgang, die für die Gestaltung des Kontaktes eine große Rolle spielen.Bekannte Gefühle können die der Angst, der Scham und  der Schuld sein: Angst, allein zu sein und, Angst, die Situation nicht zu beherrschen, Scham vor dem seltsamen öffentlichen Auftreten des kranken Elternteiles, Scham vor der körperlichen Vernachlässigung der Mutter, der Veränderung durch die Medikamente und  Schuld, weil das Kind denkt, vielleicht nicht brav genug gewesen zu sein und  versagt zu haben, weil es die Krankheit nicht aufhalten konnte, obwohl es doch alles getan hat.

Ein Begleiteter Umgang kann äußerst hilfreich sein, wenn das krankheitsbedingte Verhalten einen freien Umgang mit dem Kind verbietet. Dies betrifft besonders Eltern, die eine Krankheitseinsicht entwickelt haben.Lebt das Kind beim gesunden Elternteil, sind weitere Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Der gesunde Elternteil kann durch den die Erkrankung des Ex-Partners und deren Verlauf, selbst schwer zu verarbeitende Erfahrungen gemacht haben. Das erneute Zusammenkommen bei einem Besuchskontakt mit dem Ex- Partner wird selbst als äußerst belastend erlebt. Der gesunde Elternteil wird erneut mit seinen Belastungen der Vergangenheit in allen Facetten konfrontiert und mit den Ängsten vor erneuten krankheitsbedingten heftigen Ausfällen des Ex-Partners. Dies bedarf besonderer Berücksichtigung und Unterstützung. Auch der psychisch kranke Mensch benötigt eine Vertrauensperson, die  in der „künstlichen“ Situation des Begleiteten Umgangs  seine Ängste und Unsicherheiten annehmen und professionell begleiten kann.

 

Familientherapie

Die (aufsuchende) Familientherapie ist eine Hilfemaßnahme, welche sich an Familien wendet, die bereits über einen längeren Zeitraum (oft auch über Generationen) in dysfunktionalen Systemen leben und deren Lösungsversuche bisher keine oder nur wenig positive Veränderungen bewirkten oder die durch aktuelle Lebenskrisen-/Veränderungen, wie z.B. Tod eines nahen Verwandten, Trennung, Arbeitslosigkeit, etc., vorübergehend in ihrer Lebensführung stark beeinträchtigt sind. Ebenso stellt die Gefährdung der Kinder von psychisch kranken Eltern eine Indikation für Familientherapie dar. Den oben genannten Zielgruppen ist gemein, dass Familienmitglieder mit unterschiedlich starken Symptomen reagieren, wie

  • Psych. Auffälligkeiten/Krankheiten
  • Suchtproblematik
  • Gewaltproblematik
  • Sex. Missbrauch
  • Eltern-/Paarprobleme
  • Emotionale/soziale Auffälligkeit der Kinder
  • Erziehungsproblematik
  • Strukturelle Problematik/Verwischung von Grenzen und Hierarchien
  • Soziale Isolation

 

 

FIT-KIDS

Themenorientiertes Gruppenangebot„Trennung und Scheidung“

Das Angebot der Gruppenintervention bietet eine Hilfestellung für Kinder und Jugendliche, die über die Reduktion von Belastbarkeitsfaktoren oder die Verbesserung von Bewältigungsstrategien hinausgeht. Ziel des Gruppenangebotes ist es, die Selbstwahrnehmung und Selbsteinschätzung der Kinder hinsichtlich ihrer Eigenkompetenz und ihrer personalen Kontrolle zu fördern. Die Kinder sollen in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung gefördert werden und Verhaltensprobleme durch soziales Lernen in der Gruppe überwinden. Das Gruppenangebot soll individuell und sozial relevante Handlungsfähigkeit und Kompetenzen vermitteln, die hilfreich und sinnvoll sind, alltägliche soziale Beziehungen und Situationen adäquat zu bewältigen. Über die Vermittlung positiver Erlebnisse und sozialen Lernens sowie der Einbeziehung des sozialen Umfeldes in die Gruppenarbeit, wird die Entwicklung sozialen Verhaltens und der Persönlichkeit gefördert und begünstigt. Wichtiger Bestandteil dieser Hilfeform ist die Beratung und Unterstützung der Eltern bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsaufgabe und Einbeziehung sozialraumorientierter Einrichtungen.Im Rahmen eines themenorientierten Gruppenangebots besteht die Möglichkeit, den Austausch mit Gleichbetroffenen zu erfahren, deren Bedürfnisse und Interessen wahrzunehmen und angemessen zu berücksichtigen.

 

 Clearing

Wir verstehen ambulantes Clearing als einen zeitlich begrenzten Prozess, in dem durch fundierte Beurteilungen und fachliche Einschätzungen von Lebensumständen, Entwicklungspotenzialen, Ressourcen und Gefährdungssituationen realisierbare Vorschläge für geeignete Unterstützungsformen für Kinder und Jugendliche und deren Eltern formuliert werden.

Ambulantes Clearing hilft Jugendämtern in Fällen, in denen aufgrund ihrer Komplexität eine fachliche Einschätzung zur Entscheidung über eine passgenaue Hilfeform erschwert ist und gleichzeitig akuter Handlungs- bzw. Hilfebedarf besteht. Das Clearing kann somit sowohl im freiwilligen Bereich als auch im Zwangskontext installiert werden.

Clearing ist für Familien geeignet, die sich in akuten wie auch chronischen Krisensituationen befinden. Besonders oft gibt es in Familienkonstellationen eine komplizierte Melange aus belasteten familiären, biographischen und sozioökonomischen Strukturen, häufig kombiniert mit generationsübergreifenden Konfliktmustern. Auch psychische Erkrankungen einzelner Familienangehöriger nehmen an Bedeutung zu und belasten immer mehr ohnehin schon fragile Familienstrukturen. Unabhängig von der Anzahl vorhandener risikoreicher Faktoren ist ein Clearing dann hilfreich, wenn sich die Alltagsorganisation eines Familiensystems nicht mehr überblicken lässt, die Familie wenig flexibel mit belastenden Ereignissen umgehen kann, wenn Ressourcen der Familie und/oder des sozialen Umfeldes nicht aktiviert werden und der Familienzusammenhalt zu gering ist, um selbst Lösungen zu finden.

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